Das „Leaky Gut Syndrom“ oder: Was tun, wenn mein Darm durchlässig ist?

Bildquelle: pixabay.com

Das Organ, über das die meisten Menschen ziemlich falsche Vorstellungen haben, ist der Darm. In neuerer Zeit wurde viel über unser wichtigstes Verdauungsorgan geschrieben – und dennoch bleibt er vielen Menschen ein Rätsel. Das liegt unter anderem daran, dass wir Menschen uns gerne auf das Funktionieren unseres Körpers verlassen. Oft möchten wir gar nicht so genau wissen, was in den Niederungen des Verdauungsapparates geschieht.

Wer sich besser mit dem Darmtrakt und dessen ureigenen Bedürfnissen auskennt, versteht aber, warum es durch Ernährungsfehler zu einem „Leaky Gut“ kommen kann. Er weiß, warum man als Mediziner beim Vorliegen von Nahrungsmittelunverträglichkeiten oder anhaltender Müdigkeit unbedingt auch an einen durchlässigen Darm denken sollte. Leider wird das Problem des Leaky Gut oft unterschätzt.

Welche Bedeutung hat die Darmwand?

Bei der Frage „Was ist Leaky Gut?“ liegt die Antwort in einer Besonderheit des Darms. Unser Verdauungsorgan ist, was seine Größe und Oberfläche angeht, das größte Körperorgan. Würde man den Darm auffalten und ausbreiten, würde er 180 Quadratmeter ausfüllen. Das entspräche etwa der Größe eine halben Fußballfeldes. In Sachen Wandstärke ist der Darm aber erstaunlich dünnhäutig.

Tatsächlich ist die Darmwand nur einige tausendstel Millimeter stark. Ihre Breite entspricht der Größe einer Zelle. Es handelt sich also mehr um eine Art Membran. Im Unterschied zu dieser ist eine Darmwand aber normalerweise nicht durchlässig. Sie schützt den Körper zuverlässig vor dem Einsickern von Spaltprodukten aus der Verdauung, vor Nahrungstoxinen, Allergenen oder Krankheitserregern in den Blutkreislauf. Die Darmwand bildet normalerweise eine dünnwandige, aber effektive Schutzbarriere.

Wie kann ein Darm durchlässig werden?

Die Frage „Was ist Leaky Gut?“ stellt sich, wenn ein durchlässiger Darm vorliegt. Das Leaky Gut Syndrom beschreibt also eine Barriere-Störung, die durch eine poröse Darmwand ausgelöst wurde. Dieser Vorgang zieht nicht nur eine Reihe von akuten Symptomen wie Kopfschmerzen, Allergien, Nahrungsmittelunverträglichkeiten oder anhaltender Müdigkeit nach sich. Das ständige Einsickern von verschiedenen unerwünschten Substanzen in den Blutkreislauf führt nach und nach zu Entzündungen, deren Ursache nicht geklärt werden kann.

Der poröse Darm kann eine Infektionsneigung begünstigen, zu unerklärlichen allergischen Erscheinungen führen, oder auf längere Sicht ernsthafte Autoimmunerkrankungen auslösen. Dazu gehören beispielsweise Multiple Sklerose, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, Diabetes Typ 1 oder die Hashimoto-Thyreoiditis, eine Schilddrüsenerkrankung. Immerhin ist der Darm mit seinem Darmbiom unsere wichtigste Immun-Zentrale. Hier liegen etwa 70-80 Prozent des menschlichen Immunsystems.

Ein Leaky Gut ist heilbar

Die gute Nachricht ist, dass das „Leaky Gut Syndrom“ heilbar ist. Ein durchlässiger Darm ist keine Lappalie, sondern eine ernst zu nehmende Störung. Diese sollte möglichst zeitnah behoben werden, bevor sie weitere Schädigungen nach sich zieht. Was die zunehmende Durchlässigkeit der Darmwand ausgelöst hat, ist ein Mangel an Nährstoffen, sowie die durchschnittlich kurze Überlebenszeit der Darmwandzellen.

Diese müssen sich binnen fünf Tagen erneuern können, um dem Ansturm von Aggressoren wie Gluten, Verdauungstoxinen oder Ähnlichem standhalten zu können. Werden die Attacken zu heftig, und die Darmwandzellen oder die dünne Darmschleimhaut können sich mangels geeigneter Nahrung nicht schnell genug erneuern, wird die Darmwand porös. In diesem Geschehen liegt schon die Antwort auf die berechtigte Frage nach einer Therapie. Der Schutz und die Regeneration der Darmwandzellen, der Darmschleimhaut und der Darmflora stehen bei der Behandlung des „Leaky Gut Syndroms“ an oberster Stelle. Im übertragenen Sinne müssen die Löcher im Darm so schnell wie möglich „geflickt“ werden.

Diagnose und Therapie des „Leaky Gut Syndroms“

Eine umfassende Diagnostik spielt beim Verdacht auf das „Leaky Gut Syndrom“ eine wichtige Rolle. Dazu gehören unter anderem Blut- und Stuhlproben, bei welchen z.B. das Mikrobiom analysiert und Zonulin im Blut untersucht wird. Müdigkeit, Allergien oder Kopfschmerzen sind hierbei klinisch oft der Beginn einer Reihe schwerwiegender Folgeerkrankungen. Diese gilt es, zu verhindern. Das „Leaky Gut Syndrom“ ist heilbar. Das Mikrobiom kann saniert und wieder ins Gleichgewicht gebracht werden. Denn eine ausgewogene Darmflora ist auch wichtig, um ein funktionierendes Immunsystem zu erreichen.

Manche Mediziner verordnen „Leaky Gut“-Patienten mit akuten Beschwerden Schmerzmittel, Kortison oder Antibiotika. Das ist aber eine rein symptomatische Behandlung, die auf Dauer am eigentlichen Problem nichts verbessert. Insbesondere das Mikrobiom reagiert darauf geradezu gegensätzlich zum eigentlich gewünschten Ergebnis. Bei einem löchrig gewordenen Dach stellen Sie auch nicht nur einen Eimer unter die Leckage. Sie stellen die Ursache ab, und vermeiden damit größere Schäden. Der wichtigste Therapieschritt beim „Leaky Gut Syndrom“ ist, die Ernährung zu ändern. Angeraten ist bei dieser Erkrankung die möglichst weitgehende Meidung oder besser noch der konsequente Verzicht auf

  • industriell verarbeitete Fertigprodukte
  • Weißmehlprodukte
  • alles Zuckerhaltige, Eiscreme und gesüßte Getränke
  • Fast Food und Imbisskost
  • glutenhaltige Getreideprodukte
  • Hülsenfrüchte
  • Alkohol
  • Stress und übermäßig viel Sport
  • allergenreiche Nahrungsmittel wie Sojaprodukte, Erdnüsse oder Meeresfrüchte
  • Antibiotika
  • sowie Schmerztabletten

Denn alle genannten Punkte können die Darmwand erheblich schädigen oder eine bereits beschädigte Darmwand noch löchriger machen. Unsere moderne Lebens- und Ernährungsweise ist der eigentliche und häufigste Verursacher einer löchrigen Darmwand. Wir schädigen durch die immer stärker verarbeitete und „veredelte“ Nahrung unseren Darm und fluten unseren Organismus in einem nie gekannten Ausmaß mit aggressiven Substanzen. Stattdessen wäre es klug, sich mit frisch zubereiteten Lebensmitteln mit hohem Vitalstoffgehalt gesund zu ernähren.

Die richtige Ernährung beim „Leaky Gut Syndrom“

Das Gegenteil der Ernährung, die viele der Erkrankten gepflegt haben, ist heilsam. Mediziner fanden heraus, dass das „Paleo-Autoimmunprotokoll“ der beste Weg ist, um dem geschädigten Darm zur Regeneration zu verhelfen. Diesem Protokoll zufolge ist eine möglichst natürliche Ernährung ohne zivilisatorische Einflüsse geeignet, den Darm, die Darmschleimhaut und das Mikrobiom wieder voll funktionsfähig zu machen. Ein durchlässiger Darm kann also mit den richtigen Nahrungsmitteln geheilt werden. Der Speiseplan von Menschen mit Leaky Gut Problemen besteht aus naturbelassenen und vitalstoffreichen Lebensmitteln.

Merken Sie sich folgende Unterscheidung bei der Benennung: Lebensmittel spenden tatsächlich Leben. Industrielle Nahrungsmittel machen lediglich satt. Ihre Inhaltsstoffe lesen sich wie ein Chemiebaukasten. Mit der Hälfte ihrer Zutaten kann der Organismus schlichtweg nichts anfangen. Im Gegenteil: Ihm fehlen zunehmend wichtige Nährstoffe, um sich selbst funktionstüchtig zu halten.

Meiden Sie Ungesundes, bevorzugen Sie Gesundes

Tischen Sie bevorzugt frische Nahrungsmittel wie Obst und Gemüse, Fisch und mageres Fleisch, Eier, Nüsse, Kräuter und Saaten auf. Trinken Sie lieber Mineralwasser, Kräutertee, Grüntee oder Kaffee, statt Cola, Fanta und andere zuckerhaltige Lifestyle-Getränke zu bestellen. Meiden Sie alles, was ungesund und nicht gesundheitsförderlich ist. Obst und Gemüse aus der Region und in Bioqualität sind heilungsfördernd. Dazu können Sie Beeren, Milchprodukte wie Joghurt (Stichwort: Probiotika), Gluten-freie Sattmacher wie Quinoa, Kartoffeln oder Reis, Saaten wie Leinsamen, Kombucha und milchsauer vergorenes Gemüse, hochwertige Speiseöle aus Kaltpressung, frische Kräuter, Gewürze wie Ingwer und Kurkuma, darmfreundliche Lebensmittel wie Haferflocken, Bananen, Kohlgemüse, Zwiebeln oder Knoblauch (Stichwort: Präbiotika) zu sich nehmen.

Damit wird eine durchlässige Darmwand nach und nach wieder repariert. Bei einem schmerzhaften und akuten „Leaky Gut“ Zustand können Nahrungsergänzungsmittel zur schnelleren Regeneration sinnvoll sein. Hierfür sollten sie sich jedoch ein orthomolekulares Konzept erstellen lassen. Gerne können Sie sich diesbezüglich hier in unserer ernährungsmedizinischen Schwerpunktpraxis melden. Je besser Sie sich um ihren erkrankten Darm kümmern, desto schneller sind Sie Ihre Darmbeschwerden auch wieder los und das Entstehen von Autoimmunerkrankungen und chronischen Folgeerscheinungen wie Allergien, Bluthochdruck und Diabetes Typ 2 kann möglicherweise  vermieden werden.

Noch ein Tipp: Eigendiagnosen sind in den seltensten Fällen korrekt. Überlassen Sie es Experten, die Ursache für Ihre Probleme herauszufinden. Wenn Ihre Darmflora durch Antibiotika oder eine falsche Ernährung aus dem Gleis geraten ist, oder ein „Leaky Gut Syndrom“ vorliegt, kann Ihnen auf jeden Fall geholfen werden.

Das Team der Praxis Dr. Gumminger & Kollegen steht Ihnen gerne für weitere Fragen oder zur Beratung zur Verfügung!

Ihr Dr. Paul Gumminger